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Ortsgeschichte

 

Alte Dokumente und chronistische Aufarbeitungen des Lehrers ldelberger sagen uns, daß unsere Ortsgemeinde nicht zu den ältesten Dörfern im Westerwald gehört. Aus Archiven und den Chroniken der Gemeinden Hilgenroth und Volkerzen, sowie aus der Chronik von Koberstein wissen wir, daß unser Dorf Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals enwähnt wurde. Ob es noch ältere Eintragungen gibt, werden wir hoffentlich in den kommenden Jahren bei unserer weiteren Arbeit herausfinden.

 

Was wissen wir bis heute von unserem Ort?

Obererbach besteht aus den Ortsteilen Obererbach, Niedererbach, Hacksen, sowie dem Hofgut Koberstein und der Kobersteiner Mühle. Bis zum 31.3.1939 waren die Ortsteile Obererbach, Niedererbach und Hacksen selbständige Gemeinden. Ab 1.4.1939 wurden diese Dörfer zur Gemeinde Obererbach zusammengeschlossen. Unsere Gemeinde liegt am Erbach, eingebettet zwischen Hilgenroth, Bachenberg und Reuffelbach. Die höchste Erhebung ist am Bahnhof Obererbach mit 267 m ü. NN.

 

Das älteste Haus im Ort ist das Haus Schäfer. über dem Eingang ist noch die Jahreszahl 1521 erkennbar. Obererbach hat eine lange Schultradition. Ca. Mitte des 17. Jahrhunderts gründete die reformierte Kirchengemeinde zu Altenkirchen zur Ausbildung der Jugend und für kirchliche Aufgaben die Kirchspielschule in Niedererbach. Den damaligen Lehrer nannte man auch Präzeptor. 1675 amtierte der in Kettenhausen wohnende reformierte Kirchspielpräzeptor Görch Schurich aus Dadenberg im Meissener Land an der Schule in Niedererbach. Zur heutigen Zeit stehen noch drei ehemalige Schulgebäude in unserem Ort. Diese wurden in den Jahren 1839, 1912 , und 1961 erbaut.

 

Seit vielen Jahren hat das Vereinsleben in Obererbach tiefe Wurzeln geschlagen. 1895 wurde der Männergesangverein gegründet. 1920 der Sportverein und 1956 der Frauenchor. Darüber hinaus sind ein Karnevalverein, ein Angelsportverein und ein wanderclub in unserem Ort etabliert. Weit verbreitet ist das Skat-und Doppelkopfspiel. Die ehemalige Gastwirtschaft Marenbach (das Bild stammt aus dem Jahre 1915) diente lange Jahre den örtlichen Vereinen als Vereinslokal.

 

Am 1. Mai 1887 wurde die Eisenbahnlinie Altenkirchen - Au in Betrieb genommen. Der Bahnhof Obererbach wurde 1886 erbaut. Er ist heute in Privatbesitz. Um diese Strecke eröffnen zu können, mußte der längste Tunnel im Kreis Altenkirchen erbaut werden. Dieser Tunnel verbindet Obererbach mit Marienthal, einem bekannten Wallfahrtsort und ist 1015 Meter lang.

 

Die Gesamtnutzfläche unserer Gemeinde beträgt 374,09 ha. Die Gesamtwirtschafts- fläche ist 390,05 ha groß. Der Interessentenwald Obererbach ist 19,0774 ha, der von Niedererbach 44,4493 ha und der von Hacksen 19,2426 ha groß. Der Privatwald in unserer Gemeinde ist 14,41 ha groß. Unsere Gemeinde wird vom Erbach durchflossen. Ein Zulauf ist der Hoppbach. Die Gemeinde liegt im sogenannten Erbachtal. Die Bevölkerung ist überwiegend evangelisch.

 

1966 wurde die Flurbereinigung und Wiesenentwässerung durchgeführt. 1957 erfolgte der Ausbau der ortsdurchlaufenden Kreisstraße. 1960 wurde eine Wassertiefenbohrung durchgeführt und 1963 wurde die Verbindungsstraße von Niedererbach nach Reuffelbach gebaut. Dadurch wurde die Zufahrt zu unserem Ort gänzlich verändert. 1963 wurde mit dem Bau der Wasserleitung begonnen.

 

Ca. 1910 wurde in Niedererbach im Hause von Ewald Schäfer das erste Telefon installiert.

 

Nach dem Zusammenschluß 1939 zur Gemeinde Obererbach wurde Alfred Schäfer erster Bürgermeister der vereinigten Gemeinde. Durch seine Einberufung zur Wehrmacht und seinen frühen Tod nahm die Geschäfte stellvertretend bis 1945 Heinrich Hundenbom aus Hacksen wahr.

 

Die weiteren Bürgermeister:
1945 - 1956
Emil Schüchen, Hacksen
1956 - 1964
Wolfgang Danner, Niedererbach
1964 - 1983
Werner Burbach, Hacksen
1983 - 1999
Willi Eichelhard, Niedererbach
1999 - heute
Erhard Schneider, Obererbach

Seit 1954 war das Postamt Altenkirchen in Hacksen mit einer Poststation vertreten. Diese wurde jedoch 1995 geschlossen.

Seit 1905 ist in Obererbach eine Revierförsterei.

 

Handel, Gewerbe, Handwerk:

Seit 1898 besteht eine Gastwirtschaft, seit den 30iger Jahren eine zweite. Bereits Anfang der 20iger Jahre besteht ein Kolonialwarengeschäft im Ort, ein weiteres noch vor dem 2. Weltkrieg, das dritte nach dem Krieg. Nach und nach wurden diese Geschäfte geschlossen, das letzte im Jahre 1984. Mühlen bestanden im Ort von 1718 - 1966 und zwar die Erbacher und die Kobersteiner Mühle. Von ca. 1925 bis in die 70iger Jahre existierte eine Schmiede im Ort. Anstreicher, Dachdecker, Installateur und Klempner sowie über die Jahre hinweg drei Schuster waren die übrigen Handwerksbetriebe. Heute existiert noch ein Baugeschäft, eine Kunststoff-Firma, eine Firma für Estrichbau, Landschaftsgestaltung, Dachdecker, ein Fahrradhandel, Elektrohandel, Klempner und Installation, sowie eine Heilpraktikerpraxis.

 

In den 20er Jahren erhielt jeder Ortsteil seinen eigenen Friedhof. In den 70iger Jahren wurde der Friedhof in Niedererbach erweitert und eine Friedhofshalle erbaut. Dieser Friedhof wird jetzt von allen Ortsteilen belegt. Im Bereich Koberstein gibt es noch ein Privatfriedhof.

 

Die evangelische Bevölkerung von Obererbach und Hacksen gehört zum Kirchspiel Hilgenroth, die von Niedererbach zum Kirchspiel Altenkirchen. Die katholische Bevölkerung gehört zum Kirchspiel Marienthal.

 

Im 1. und 2. Weltkrieg gab es unter der Bevölkerung unserer Orte große Verluste.

 

Am 12.12.1984 ereignete sich am Bahnübergang beim Hause Jung ein schwerer Verkehrsunfall mit zwei Todesopfern. 1986 fällt die unter Denkmalschutz stehende Niedererbacher Mühle gänzlich einem Brand zum Opfer.

 

Anfang 1990 verwüstet ein Orkan unsere Wälder. 10.000 fm Holz (90% Fichte) wird beschädigt.

 

Durch die überregionalen Erfolge unserer Chöre wird unser Dorf in Nah und Fern das singende Dorf, genannt. Dies begann schon früh im Jahr 1957: Damals belegt der Schulchor bei einem Chorwettbewerb des Südwestfunkes den 3. Platz. Es war die einzigste Volksschule die sich platzieren konnte.

 

Durch den Westerwälder Mundarterzähler Friedrich Hans Strippel aus Bachenberg (langjähriger Chorleiter des MGV Niedererbach) wurde vieles über unser Dorf erzählt und in der Literatur festgehalten.

 

In den 80iqer Jahren erbaute die Ortsgemeinde eine Weiheranlage, die der Erholung- der Bevölkerung dienen soll. Im Anschluß an das Gelände wurde für die Ortsvereine zunächst ein Festplatz und anschließend ein Bürgerhaus errichtet.

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger von Obererbach. Wenn sie diese wenigen Zeilen aus der Geschichte unseres Ortes gelesen haben, so werden Sie feststellen, daß noch vieles erkundet und recherchiert werden muß. Dies geht jedoch nur mit Ihrer Hilfe. Stellen Sie uns Bilder, Überlieferungen und sonstiges Wissenswertes zur Verfügung. Nur so kann an der Geschichte des Ortes Obererbach weiter gearbeitet werden.

 

Erhard Schneider
(Ortsbürgermeister)